Faires Honorar für den Kameramann von „Das Boot“

Der Bundesgerichtshofs musste sich zum wiederholten Male mit der angemessenen finanziellen Beteiligung des Chefkameramanns von „Das Boot“ an der Verwertung dieses Welterfolges befassen. Er entschied am 01. April 2021 zugunsten des Klägers.

Um was geht es?

Der Chef-Kameramann des 1980/81 produzierten Films „Das Boot“ streitet mit der Produktionsgesellschaft, dem Westdeutschen Rundfunk und dem Video/DVD-Verwerter um eine angemessene finanziellen Beteiligung am finanziellen Erfolg des Filmklassikers. Der Film wurde national und international im Kino, im Fernsehen sowie auf Videokassette und DVD ausgewertet und spielte viele Millionen Euro ein. Er war sogar für sechs Oscars nominiert. Viele seiner Beteiligten wurden zu Stars, wie der Regisseur Wolfgang Petersen oder der Schauspieler Jürgen Prochno.

Für den Dreh des Film erhielt der Kläger damals umgerechnet ca. 100.000 EUR; im Gegenzug trat er sämtliche seiner Nutzungsrechte ab. Durch die Einführung des sog. Fairnessparagrafen in das Urheberrecht (§ 32 a UrhG) sind allerdings auch die beteiligten Urheber nachzuvergüten, wenn das ursprüngliche Honorar und die später erzielten Erträge in einem auffälligem Missverhältnis stehen. In dem Fall muss das Honorar nachverhandelt werden. Daher führt der Kläger auch seit mehr als einem Jahrzehnt diesen Rechtsstreit.

Auf seine Klage hin sprach die Vorinstanz dem Kläger insgesamt rund 438.000 Euro plus 150.000 Euro Zinsen zu. Hiergegen legte er Berufung ein.

Falsche Berechnung

Der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil aus dem Jahr 2017 nun wieder auf. Grund dafür seien systematische Fehler bei der komplizierten Berechnung möglicher Ansprüche. Die Vorinstanz habe bei der Prüfung, ob ein auffälliges Missverhältnis im Sinne von § 32 a UrhG besteht, die vereinbarte Pauschalvergütung im Hinblick auf jeden Beklagten in voller Höhe zugrunde gelegt. Dabei sei nicht berücksichtigt worden, dass es bei der Prüfung des auffälligen Missverhältnisses gemäß § 32 a Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 1 UrhG ausschließlich auf das Verhältnis zwischen dem Urheber und dem auf weitere Beteiligung in Anspruch genommenen Nutzungsberechtigten ankomme.

Nun muss die Vorinstanz erneut über den Fall verhandeln und bei der Berechnung die Erwägungen des BGH berücksichtigen.

Paralleles Verfahren gegen ARD-Anstalten

In einem parallelen Verfahren läuft zudem eine Klage gegen die übrigen acht ARD-Anstalten, die „Das Boot“ vielfach ausgestrahlt hatten. In diesem Verfahren hatte das Gericht zwar einen Nachvergütungsanspruch des Klägers bejaht, allerdings sah auch hier der BGH Berechnungsfehler.

Der Kläger ist im Übrigen mittlerweile 87 Jahre alt. Hoffentlich erlebt er noch ein Ende der Verfahren und insbesondere eine rechtlich einwandfreie Honorarüberweisung auf sein Konto.

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