Darstellung einer realen Person durch Schauspieler keine Verletzung des Rechts am eigenen Bild

Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied, dass die erkennbare bloße Darstellung einer realen Person durch einen Schauspieler in einem Spielfilm kein Bildnis der dargestellten Person im Sinne des Kunsturhebergesetzes darstelle. Somit könne auch nicht das Recht am eigenen Bild verletzt werden. Das gab der BGH am 18.05.2021 in einer Pressemitteilung bekannt.

Was war passiert?

Der Kläger war in den 1980er Jahren Schüler der Odenwaldschule, wo er über mehrere Jahre sexuell missbraucht wurde. Seit dem Jahr 1998 machte er auf das Missbrauchsgeschehen aufmerksam und trug – u.a. durch die Mitwirkung an Presseveröffentlichungen und an einem Dokumentarfilm – maßgeblich zu dessen Aufklärung bei. Im Jahr 2011 veröffentlichte der Kläger ein autobiographisches Buch, in dem er die Geschehnisse schilderte. Im Jahr 2012 erhielt der Kläger den Geschwister-Scholl-Preis; anlässlich der Preisverleihung legte er im November 2012 sein zunächst verwendetes Pseudonym ab. Im Jahr 2014 strahlte die ARD den im Auftrag der erstbeklagten Landesrundfunkanstalt vom Zweitbeklagten produzierten Spielfilm „Die Auserwählten“ aus. Der an Originalschauplätzen gedrehte Film thematisiert den sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule, wobei der Kläger als Vorbild für die zentrale Filmfigur zu erkennen ist.

Der Kläger, der eine Mitwirkung an dem Film im Vorfeld abgelehnt hatte, hält dies für einen unzulässigen Eingriff in sein Persönlichkeitsrecht. Er begehrt, die weitere Verbreitung der entsprechenden Filmszenen zu unterlassen. Die Vorinstanz wies die Klage ab. Die Berufung des Klägers hatte keinen Erfolg. Mit der zugelassenen Revision verfolgte der Kläger sein Unterlassungsbegehren weiter.

Entscheidung des BGH

Der BGH bestätigte die Vorentscheidungen und wies die Klage ab. Der Kläger könne sein Unterlassungsbegehren nicht auf sein Recht am eigenen Bild nach dem Kunsturhebergesetz (KUG) stützen.

Dieser Schutz stehe im Fall der erkennbaren bloßen Darstellung einer Person durch einen Schauspieler dem Schauspieler selbst zu. Denn der Schauspieler bleibe in seiner Rolle noch „eigenpersönlich“ und damit als er selbst erkennbar. Als Bildnis der dargestellten (realen) Person sei die Darstellung dagegen erst dann anzusehen, wenn der täuschend echte Eindruck erweckt werde, es handele sich um die dargestellte Person selbst. So etwas könne etwa beim Einsatz eines Doppelgängers oder einer nachgestellten berühmten Szene oder Fotographie der Fall sein.

Ein Unterlassungsanspruch ergebe sich bei der gebotenen kunstspezifischen Betrachtungsweise auch nicht aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrechts des Klägers (§ 1004 Abs. 1 Satz 2 analog, § 823 Abs. 1 BGB i.V.m. Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG).

Zwar sei der Kläger durch die ausgeprägten Übereinstimmungen zwischen seinem Schicksal und der Darstellung der zentralen Filmfigur in seinem Persönlichkeitsrecht betroffen. Auch verstärke die in der besonderen Intensität der visuellen Darstellung liegende suggestive Kraft eines Spielfilms diese Betroffenheit. Doch wiege diese Betroffenheit im Ergebnis und unter Berücksichtigung der eigenen vom Kläger in der Vergangenheit praktizierten Selbstöffnung nicht so schwer, dass die Kunst- und Filmfreiheit zurücktreten müsste. 

Bundesgerichtshof, Urteil vom 18. Mai 2021, Az. VI ZR 441/19

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